ZeichenZimmer
Das ZeichenZimmer ist ein Projekt, das ich im Rahmen der Abschlussausstellung des Master Kunst Luzern 2020 initiiert habe. Es bietet Raum für Inspiration und Austausch rund um eine innovative Didaktik des Zeichnens. Mit dem ZeichenZimmer möchte ich einerseits die Dringlichkeit des Nachdenkens über Bilder (und auch des Nachdenkens in Bildern) sichtbar machen. Andererseits möchte ich konkrete Möglichkeiten aufzeigen, wie man visuelles Denken vermehrt und sinnvoll in den Unterricht integrieren könnte. Dies erfordert eine Zeichendidaktik, die das Zeichnen nicht als Nachahmung vorhandener Bildkategorien, sondern vielmehr als einen Denkprozess versteht; ein Denkprozess, der individuell ist und auch fächerübergreifend stattfinden kann.
Ich fokussiere mich auf das Medium Zeichnen, weil ich in meiner künstlerischen Praxis selber zeichne und somit meine eigene praktische Erfahrung in das Projekt einbringen kann. Es richtet sich in erster Linie an Lehrpersonen und Vermittler:innen, die kunstpädagogische Inspiration und Orientierung suchen und neugierig sind auf eine innovative Didaktik des Zeichnens. Fokussiert habe ich mich auf die Primarstufe. Zum einen aus dem Grund, dass Primarlehrpersonen mehrere Fächer gleichzeitig unterrichten und es daher einfacher ist als auf anderen Schulstufen, fächerübergreifende Projekte zu realisieren. Zum anderen, weil in der Primarschule keine Fachlehrpersonen unterrichten und es deshalb kunstpädagogische Ansätze braucht, auf die sich Lehrpersonen beziehen können. Eine Reflexion über die vielseitigen (fächerübergreifenden) Möglichkeiten des Zeichnens für die Schule ist leider in der Literatur bisher kaum zu finden.
Auch wenn der Fokus auf der Primarstufe liegt, heisst das nicht, dass die von mir vorgeschlagenen Ansätze nicht auch für Lehrpersonen anderer Schulstufen interessant sein könnten. Sie sind formbar und müssen je nach Stufe und nach Inhalt des Projekts angepasst und erweitert werden. Sie basieren auf einer ersten theoretischen Recherche über zeichnendes Denken und der Kinderzeichnung als ein experimenteller Gedankenraum, die ich im Rahmen meiner theoretischen Masterthesis unternommen habe. Diese theoretische Masterthesis erscheint in Form eines experimentell-wissenschaftlichen Cahiers mit dem Titel Die Idee kommt beim Zeichnen.
Innerhalb dieser Masterthesis war es zeitlich leider nicht möglich, umfassend zu untersuchen, wie das Zeichnen in der Schule gegenwärtig vermittelt wird. Natürlich ist dies von Lehrperson zu Lehrperson sehr verschieden und auf keinen Fall zu verallgemeinern. Ausgehend von Gesprächen mit Fachdidaktik-Dozierenden, Pädagog:innen, Schüler:innen, eigenen Erfahrungen sowie kunstpädagogischer Lektüre habe ich jedoch eine Tendenz festgestellt: Häufig wird das Bildermachen in der Schule nach einem gewissen Schema abgehandelt, das auf homogene Bildprodukte abzielt, die sich gut vergleichen und einfach bewerten lassen. Nicht selten wird das Zeichnen auch als Beschäftigungstherapie eingesetzt.
Das Problem, dass Zeichnen nicht messbar ist, löst sich aber nicht einfach dadurch, es nicht mehr zu bewerten. Denn Evaluation bedeutet immer auch Wertschätzung. Von Schüler:innen etwas zu fordern bedeutet, dass man sie ernst nimmt. Es soll Kriterien geben, aber die Wahl der Kriterien ist entscheidend. Es sollen Kriterien sein, die dem Zeichnen in der Schule wieder mehr Raum und Luft verschaffen, sodass sich das Potenzial des visuellen Denkens entfalten kann. Aber nicht nur die Reaktion auf das Zeichnen, sondern auch das Anleiten ist entscheidend. Ideen, wie das Zeichnen bei Kindern angeleitet werden könnte, um einen möglichst offenen Gedankenraum zu finden, und wie man auf das Zeichnen als experimentellen Gedankenraum reagieren sollte, findest du hier.
Das ZeichenZimmer wurde im Juni 2020 mit dem Max von Moos Förderpreis ausgezeichnet, und mein Buch Die Idee kommt beim Zeichnen war für den Chapeau!-Preis für die «beste» schriftliche Masterthesis der Hochschule Luzern – Design & Kunst nominiert. Ganz herzlichen Dank!